
Verschluss
Als Verschluss wird in der Fototechnik ein lichtdichtes, mechanisch bewegliches Element bezeichnet, das bei
einer Kamera im Strahlengang vor der Bildebene liegt. Während der Belichtungszeit wird dieses Element für die Dauer
der voreingestellten Verschlusszeit geöffnet, in der das vom Objektiv kommende Licht auf die Bildebene trifft. Nach
erfolgter Belichtung schließt sich der Verschluss und schützt bis zur nächsten Aufnahme die lichtempfindliche Schicht
des Aufnahmematerials bzw. den digitalen Bildsensor vor ungewolltem Lichteinfall.
Bei Filmkameras übernimmt die Umlaufblende dieselbe Funktion wie bei Fotokameras der Verschluss.
Es kommen hauptsächlich zwei Verschlusstechniken zum Einsatz:
- Der Zentralverschluss , bei Groß- und Mittelformatkameras , sowie Kompakt- und Sucherkameras.
- Der Schlitzverschluss, bei Kleinbildkameras mit Wechselobjektiven und Mittelformatkameras .
Kompakt-, Mittelformat- und Großformatkameras haben zumeist einen Zentralverschluss mit federnden kurvenförmigen
Lamellen, die sich für die Dauer der Belichtung radial öffnen. Der Zentralverschluss kann sich, wie der Schlitzverschluss,
im Kameragehäuse oder auch innerhalb des Objektivs zwischen der vorderen und der hinteren Linsengruppe befinden.
Der Schlitzverschluss befindet sich in der Kamera unmittelbar vor der Filmebene im Gehäuse. Zur Belichtung läuft ein
doppelter Vorhang bzw. dessen Schlitz mit variabler Breite rasch vor dem Film vorbei. Die Breite des Schlitzes gibt
dabei die Belichtungszeit wieder. Je größer die Belichtungszeit desto größer ist der Schlitz.
Verschlusszeit
Als Verschlusszeit wird die Belichtungszeit bezeichnet, die durch einen Kameraverschluss gebildet wird.
Die Steuerung erfolgt entweder rein mechanisch oder elektronisch.
Die übliche Verschlusszeitenreihe halbiert bei jedem Einstellungsschritt die Zeitdauer, der der fotografische Film oder
der Aufnahmesensor bei Digitalkameras dem Lichteinfall ausgesetzt ist. Die Zeitangaben auf dem
Verschlusszeiteneinstellrad einer Kamera werden in Reziprokwerten (Nenner des Bruchs) angegeben.
Daraus ergibt sich beispielhaft die folgende Zeitenreihe in Sekundenbruchteilen:
1 - 2 - 4 - 8 - 15 - 30 - 60 - 125 - 250 - 500 - 1000 - 2000
Bei jeder Stufe dieser Zeitreihe halbiert sich die Lichtmenge , die den Film belichtet. Kürzere Belichtungszeiten können
durch größere Blendenöffnungen (= kleinere Blendenzahl) kompensiert werden, dabei entspricht eine Stufe der Blendenreihe
einer Stufe der Zeitreihe.
Kameras mit elektronischem Verschluss können im Vergleich zu den klassischen Zeit- und Blendenreihen diverse weitere
Belichtungszeiten einsteuern. Neben kürzeren und insbesondere längeren Verschlusszeiten können dabei häufig noch
Zwischenstufen in halben oder drittel Blendenstufen manuell eingestellt werden, im Automatikbetrieb sind praktisch
stufenlose Einstellungen möglich.
Einfach ausgestattete Kameramodelle mit Programmautomatiken zeigen die jeweils elektronisch gewählte
Zeit-/Blendenkombination häufig nicht mehr an.
An alten Kameras bzw. Objektiven mit Zentralverschluss findet sich oft diese Reihe:
1 - 2 - 5 - 10 - 25 - 50 - 100 - 250 - 500
Auch kann die kürzest einstellbare Zeit abweichen und beispielsweise 1/200 s oder auch 1/300 s betragen
Die Wahl der Verschlusszeit hat neben der Einstellung der korrekten Belichtung ebenso wie die Wahl der Blende großen
Einfluss auf die Bildwirkung. Mit einer kurzen Verschlusszeit können schnelle Bewegungen "eingefroren" werden, eine
relativ lange Belichtungszeit ermöglicht es, Bewegungen durch Verwischen dynamisch darzustellen. Solche Effekte sind
nicht mit dem Verwackeln zu verwechseln.
Verwackeln
Eine fotografische Aufnahme gilt als verwackelt, wenn das gesamte Bild oder ein bildwichtiges Element
durch Bewegung der Kamera unbeabsichtigt unscharf abgebildet worden ist.
Verwackeln entsteht, wenn die Kamera während der Aufnahme bewegt wird. Die Lichtstrahlen, die das Objektiv
auf die Filmebene oder den Sensor bündelt, wandern deshalb während der Aufnahme und hinterlassen so statt klar
definierter Punkte sich überlagernde Spuren. Dieser Effekt tritt bei jeder Aufnahme auf, er wird aber erst bei
einem bestimmten Ausmaß der Unschärfe als Verwackeln wahrgenommen. Eine kürzere Belichtungszeit wirkt
dem Verwackeln entgegen, da das gebündelte Licht bei gleicher Bewegung der Kamera in kürzerer Zeit eine
kürzere Strecke auf dem Film oder dem Sensor zurücklegt und das Bild so schärfer wird. Gleichzeitig nimmt mit
zunehmender Brennweite des Objektivs die Gefahr des Verwackelns zu.
Von Bewegungsunschärfe spricht man hingegen, wenn Unschärfe dadurch entsteht, dass sich das Objekt und nicht
die Kamera während der Aufnahme bewegt. Während Verwackeln ein unerwünschter Effekt ist, wird
Bewegungsunschärfe beispielsweise durch Mitziehen der Kamera zur Gestaltung eingesetzt. Ein sich bewegenden
Objekt wird auf diese Art scharf abgebildet und nur der Hintergrund erscheint unscharf.
Als Faustregel für das Fotografieren aus der Hand mit Kleinbildformat gilt, dass der Wert der Belichtungszeit
längstens in etwa dem Kehrwert der Brennweite entsprechen sollte. Diese Zeit wird auch als Freihandgrenze
bezeichnet. Bei Kameras mit anderem Format ist gegebenenfalls der Formatfaktor zu berücksichtigen. Die
tatsächliche Brennweite ist mit dem Formatfaktor zu multiplizieren.
Um Verwackeln zu vermeiden, sollte bei festem Stand die Kamera mit beiden Händen gehalten und an die
Stirn angedrückt werden. Bei längerer Belichtungszeit ist es ratsam, den Körper z. B. an eine Mauer anzulehnen.
Bei deutlich über der Faustregel liegender Belichtungszeit muss die Kamera auf ein Stativ oder mindestens auf
eine feste Unterlage gesetzt werden. Ein schweres Objektiv wird gern auch auf einen so genannten Bohnensack
gelegt.
Aufgrund ihres geringen Gewichts ist bei kompakten Kameras die Verwacklungsgefahr größer als bei schwerer
gebauten Modellen wie Spiegelreflexkameras . Ungünstig wirkt sich auch die bei vielen Kompakt-Digitalkameras
angewandte Fotografiertechnik aus, das Motiv wegen des fehlenden Durchsichtssuchers mit vorgehaltenen Armen
anzuvisieren.
Weiterhin ist es sinnvoll, bei langer Belichtungszeit mit dem Selbstauslöser oder einem Fernauslöser berührungsfrei
auszulösen, da das Betätigen des Auslösers bereits zum Verwackeln führen kann. Manche Modelle haben für diesen
Zweck die Möglichkeit, den Selbstauslöser auf zwei anstatt der üblichen zehn Sekunden einzustellen.
Bei großen Brennweiten und einer Belichtungszeit von länger als 1/10 Sekunde kann es alleine schon durch die
Bewegung des Spiegels einer Spiegelreflexkamera trotz Stativs zur Erschütterung der Kamera kommen und eine
Unschärfe der Aufnahme hervorrufen. Mit Hilfe der Spiegelvorauslösung kann man dem entgegenwirken.
Einige Hersteller bieten Bildstabilisierungs-Systeme an, die einem Verwackeln entgegen wirken und somit eine
bis zu vier Zeitstufen längere Belichtungszeit zulassen. Ist die Kamera unbeweglich fixiert, z. B. auf einem Stativ,
sollten Bildstabilisatoren jedoch abgeschaltet werden. Sie können sonst durch Überreaktionen wieder zu einem
verwackelten Bild führen.
Vollformatsensor
Vollformatsensor ist eine Bezeichnung für einen elektronischen Bildsensor in einem digitalen Fotoapparat. Die
Bezeichnung ist als Marketingbegriff anzusehen, um digitale Spiegelreflexkameras, die einen Aufnahmesensor
verwenden, der etwa der Größe des etablierten Kleinbildformats entspricht, von Modellen abzugrenzen, die kleinere
Formate einsetzen.
Während die Bildsensoren in preiswerten digitalen Amateurkameras üblicherweise nur einen Bruchteil der Größe
des Vollformats haben, kann man bei Digitalkameras mit einem Vollformatsensor Objektive von analogen
Spiegelreflexkameras ohne Veränderung benutzen, da sich durch die gleichen Abmessungen ein Formatfaktor
in Relation zum Kleinbildformat von eins und somit keine Änderung des Bildwinkels ergibt. Der Bildbeschnitt
durch kleinere Sensoren kann dabei je nach Anwendung ein Vor- oder Nachteil sein.
Nur ein Vollformatsensor bietet aber die Beibehaltung des gewohnten Brennweitenverhältnisses: So entspricht eine
Optik mit 50 mm Brennweite bei einem 35-mm-Film der Normalbrennweite, während bei APS-C-Format die
Normalbrennweite bei etwa 35 mm liegt. Dies hat Auswirkungen auf die Gestaltungsmöglichkeiten in Bezug auf
die Schärfentiefe.
Das Signal-Rausch-Verhältnis eines Sensors, also das in der Regel störende Bildrauschen bei einer bestimmten
Bildhelligkeit, wird einerseits bedingt durch elektrotechnische Merkmale des Sensors, andererseits durch die auf
die einzelnen Pixel einfallende Lichtmenge. Je größer diese Lichtmenge ist, desto besser ist das Signal-Rausch-Verhältnis
bei gleich bleibender Rauschamplitude. Ob ein Vollformatsensor bei gleicher Gesamtpixelanzahl und größerer
Sensorfläche eine größere Lichtmenge erhält als ein Sensor kleineren Formats, hängt von den Bedingungen ab,
unter denen die Sensoren belichtet werden. Um den gleichen Bildwinkel zu erfassen, muss der Vollformatsensor
allgemein durch ein Objektiv belichtet werden, dessen Brennweite länger ist, als diejenige des Objektivs vor dem
kleinformatigen Sensor. Dabei steht man vor der Wahl, Objektive gleicher Lichtstärke zu benutzen, oder Objektive
gleichen Linsendurchmessers, das heißt gleicher Öffnung.
Werden Objektive gleicher Lichtstärke benutzt, fällt bei der größeren Brennweite (Vollformatsensor) eine größere
Lichtmenge in die Kamera, die sich aber auf die größere Sensorfläche verteilt, die Intensität bleibt also im Resultat
dieselbe. Bei gleicher Gesamtpixelanzahl erhält also auch jedes einzelne Pixel des Vollformatsensors eine
entsprechend größere Lichtmenge. Unter diesen Bedingungen weist somit die Abbildung durch die Kamera im
Falle des Vollformatsensors ein besseres Signal-Rausch-Verhältnis auf. Werden dagegen Objektive gleicher
Öffnung benutzt, dann fällt in die Kamera jeweils die gleiche Lichtmenge. Bei gleicher Gesamtpixelanzahl erhält
also auch jedes Pixel des Vollformatsensors dieselbe Lichtmenge wie das entsprechende Pixel des kleinformatigen
Sensors. Bei diesen Bedingungen besitzt der Vollformatsensor, zumindest was den Strahlengang anbetrifft, keinen
Vorteil bezüglich des Signal-Rausch-Verhältnisses.
Vollformatsensoren sind im Vergleich zu kleineren Sensoren deutlich teurer. Sie lassen bei Verwendung von
Wechselobjektiven, die nicht für Sensoren von Digitalkameras optimiert sind, eventuelle Schwächen der Objektive
am Rand (schlechtere Schärfe, höhere Vignettierung ) stärker hervortreten, während diese ausgeblendet werden,
wenn man Vollformat-Objektive an kleineren Sensoren betreibt.
Allerdings treten auch bei kleinen Sensoren unter Umständen im Randbereich Verfälschungen auf, wenn Objektive
verwendet werden, die für Kleinbildfilme berechnet wurden, weil das Licht am Rand schräg auf die Sensoroberfläche
auftrifft. Herkömmliche Objektive haben keine optimierte Lichtstrahlführung hinsichtlich eines bestimmten
Auftreffwinkels auf Sensoren, weil schräg auftreffendes Licht bei Filmen keine Qualitätseinbußen zur Folge hat.